534 Follower
105 Ich folge
Couscous

Couscous

Ich lese. Manchmal mache ich auch was anderes :)

Ich lese gerade

Die Wölfe kommen: Thriller
Jérémy Fel, Anja Nattefort
Hypnose und Trance: Inspiration, Meditation, Entspannung Ausmalbuch für Erwachsene
Luis Eduardo Bertone
Spoileralarm

Wäh, revisited :D

So, in meinem ersten Kommentar ist ja ziemlich klar geworden, dass Havald mir ordentlich auf den Senkel geht. Wirklich? Ich soll Sympathie für eine Figur empfinden (und ich glaube wirklich, dass man ihn mögen soll. Havald ist nicht die Sorte Antiheld bei der der Autor die Abneigung des Lesers provozieren will), der sich allen Ernstes darüber auslässt, dass es schon irgendwie okay ist, an einer Gruppenvergewaltigung mitzumachen, wenn man als Soldat schon länger keine Frau mehr „hatte“. Und immerhin haben sie sie hinterher ja auch nach Hause gehen lassen. Sie hätten Sie ja auch noch umbringen können.
Oder einfach weitermachen, bis sie stirbt.
Wohlgemerkt, das ist keine Überspitzung von mir, das denkt er wirklich.

 

Aber jetzt mal weg von Havald, sonst finde ich kein Ende mehr :D

Ich habe mir noch überlegt, ob ich vielleicht nicht doch noch einen halben Stern mehr geben soll, weil naja, ich habs ja fertig gelesen und mich dabei nicht direkt in Krämpfen gewunden. Aber, einfach nö.

Wenn der Autor im weiteren Verlauf irgendwas bombastisch Großartiges aus seinem Zauberkästchen geholt hätte, dann von mir aus. Aber was hier serviert wird, sind Genre-Versatzstücke, ziemlich lieblos montiert. Weder Figuren noch Handlung können darüber hinwegtrösten, dass der Autor eine seltsame Faszination für eine seltsame Kombination von Gewalt/Sex/Zwang hat.

 

 

Ich spoiler jetz mal munter weiter, also Achtung!

 

So, Sieglinde (die älteste, sich opfernde Wirtstochter) umschwirrt die Briganten (was Havald irritierend fasziniert beobachtet, aber ich schweife ab …), während ihr Vater die beiden jüngeren weggesperrt hat. Es kommt dann aber doch nicht zur eigentlich unausweichlichen großen Orgie. Weil nämlich Janos, der Anführer (Janos Dunkelhand, echt, was ist da los? Warum erwisch ich immer die Bücher mit den dämlichsten Namen für die Helden???) sie irgendwie für sich beansprucht.

 

Außerdem hat sie plötzlich grüne Augen, singt berückend und fiedelt überirdisch, alldieweil das ein Geschenk einer Fee ist. Und besänftigt damit die Briganten. Schon klar. Das gibt sich aber wieder.

 

Zokora (die Dunkelelfe) vergnügt sich dann mit dem Händler (Zeugungssex – remember?) und führt ihn anschließend an der Leine rum, weil man das als Dunkelelfe eben so macht. Er findets eigentlich auch ganz okay, sie ist offenbar granatenmäßig gut im Bett.

 

Und Leandra verfällt sichtlich immer mehr Havald. Warum ist mir nicht so klar. Er ist weder unterhaltsam noch charmant noch stark noch attraktiv (alter jammernder Sack, remember?). Aber auch das gibt sich (also ich weiß nicht, wie attraktiv er ist, aber er wird jünger, wozu sind wir hier in Fantasy?)

 

Der Sturm dauert weiter an, es wird immer kälter. In der Zwischenzeit wird der Werwolf, der den Stallburschen ausgeweidet hat enttarnt und unschädlich gemacht. Aber – natürlich – ist relativ schnell klar, dass das nur eine Finte des echten Täters war.
Außerdem wird ein Keller unter dem Keller begutachtet. Dort sitzen ein paar untote Zwergenwächter und erfrorene Krieger. Es gibt noch ein paar versteckte Räume (einer mit Skelett in Rüstung, einer ein luxuriöses Badezimmer [in dem Leandra und Havald ENDLICH Sex haben, war auch Zeit]), deren Sinn sich mir nicht erschließt.
Warum Richard Schwartz da nicht mehr draus gemacht hat – keine Ahnung. Das hätte mich interessiert!!!

 

Der Bösewicht gibt sich zu erkennen, es folgt Gerangel und die Bösewichte (mit denen Janos und seine Leute im Bunde waren) verschwinden in den Keller unter dem Keller.

 

Und jetzt folgt … nein, keinen Verfolgungsjagd.


Jetzt bietet sich Sieglinde jedem an, der bereit ist, die Bösewichter zu verfolgen. Nochmal langsam: es besteht keine Gefahr mehr, dass eine Meute brutaler Kerle über sie herfällt. Und sie wirft sich als Ansporn für die anwesenden Helden gewissermaßen mit gespreizten Beinen auf den Rücken. Weil, sie ist ja eh schon da. Daddy schmiert Stullen für die Expedition und sie will auch ihren Beitrag leisten. Schon klar.

 

Dann wird es doch noch spannend auf den (gefühlt) letzten fünf Seiten. Warumwarumwarum hat Richard Schwartz diese Verfolgung nicht ausgebaut?? Warum wird ausgerechnet das so lieblos und kurz abgehandelt? Das unterirdische Gangsystem! Die toten Krieger! Die fiesen Fallen! Der Showdown!


Es ist zwar nichts revolutionär Neues, aber es hätte eine spannende zweite Hälfte des Romans ausmachen können!
Dieser kurze Wurmfortsatz an Spannung reißt auch nix mehr raus.

 

Und. Klar ist Havald mehr als er erscheinen will, schließlich ist er der Held. Das checkt man nach relativ kurzer Zeit.
Aber müssen sich denn alle Geschichten über mythische Kämpfer auf ihn beziehen? Und muss er auch noch ein Bannschwert haben? (Warum muss eigentlich plötzlich jeder da ein Bannschwert haben?? Es gibt doch angeblich nur dreizehn auf der ganze weiten Welt?!) Und muss es dann ausgerechnet noch „das schrecklichste“ sein?!

 

Wurscht.

 

Für mich ist „Das erste Horn“ ziemlich lieblos aus Versatzstücken zusammengekleisterte Massenware. Pappkameraden statt Charaktere, hölzerne Dialoge und ein löchriger Plot.
Schade.

 

… und ich hab Band zwei und drei auch noch rumstehen. D:
Die werd ich aber nicht lesen. Wer „Das erste Horn“ mag/lesen will und Interesse an Band zwei und drei hat, bitte melden. Ich würde sie gerne loswerden ;)