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Couscous

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Ich lese. Manchmal mache ich auch was anderes :)

Ich lese gerade

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Jérémy Fel, Anja Nattefort
Hypnose und Trance: Inspiration, Meditation, Entspannung Ausmalbuch für Erwachsene
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"Worldshaker"

Worldshaker - Richard Harland

Ich habe es Worldshaker nicht leicht gemacht; irgendwie haben mich die ersten Seiten nicht überzeugt und ich war schon fast genervt - und dann hat mich das Buch doch erwischt! :D

 

Die Grundkonstellation ist nicht wirklich neu - ahnungsloser Privilegierter trifft auf jemanden aus der untersten Gesellschaftsschicht und muss sein bisheriges Leben in Frage stellen.

Der Autor sagt selbst, er sei von Charles Dickens' Romanen beeinflusst, und wer schon einmal "Metropolis" gesehen hat, wird auch einiges wiedererkennen.

 

Der Leser lernt die Welt zusammen mit dem Protagonisten Col kennen; zum einen weil Riff, eine der "Dreckigen", ihm diese schmerzliche und grausame Realität zeigt, zum anderen durch das "Geschichtsprojekt" seines ehemaligen Lehrers und eines seiner Mitschüler.

Diese Welt ist schlüssig und gut durchdacht; mir gefällt besonders, wie sich der Autor die alternative Weltgeschichte seit der Französischen Revolution gedacht hat, da möchte ich glatt in der großen Bibliothek des Juggernaut ein paar Geschichtsbücher wälzen. :) 

Was die Gegenwart in dieser Welt betrifft, findet man unangenehme Parallelen zu unserer Realität. Wir (also die sogenannte erste Welt) walzen zwar nicht wirklich Dörfer platt und grabschen uns im Vorbeifahren rücksichtslos mit Kränen, was wir eben so brauchen - im übertragenen Sinn könnte man das aber durchaus so sehen. Besonders hübsch finde ich die Idee, dass der Juggernaut im "Tausch" dafür wertlose Statuetten des Königspaars zurücklässt (da kommen doch die wertlosen Glasperlen in den Sinn, die den amerikanischen Ureinwohnern angedreht wurden ...)

"Schön" finde ich auch das Haifischbecken Schule, in das Col plötzlich geworfen wird, um "Macht zu lernen" - und wie der Autor den sozialen Druck darstellt, der auf allen lastet, als Cols Familie in Verruf gerät.

Es gibt kaum eindeutig "Gute" und "Böse" - wer nie gelernt hat, selbst zu denken und Fragen zu stellen, wird nie sein eigenes Leben und den Status Quo hinterfragen. Und nicht jeder kommt damit klar, wenn alles, was bisher sicher war, plötzlich ins Wanken gerät.

Was mich ein bisschen gestört hat, war die übertriebene Darstellung des Lehrers. Der war leider zu affig, zu schablonenhaft und unglaubwürdig.

 

Spannend, glaubwürdig und gut durchdacht. Ein richtig saftiger Schmöker :)

 

[ich bin mir noch nicht sicher, ob ich den zweiten Teil unbedingt brauche. Ich möchte einfach glauben, dass es nach dem hoffnungsvollen Ende einfach gut und ohne Konflikte weitergeht. :)]